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10.06.2019 Spuren Frankfurter Geschichte

Historischer Stadtspaziergang und ein germanischer Kriminalfall (9RB)

AutorInnen; Antje Schneider  und Cagri Saf

Bei fast 30°C durch Frankfurt zu laufen und trotz Straßenlärm den Ausführungen zum Ersten Weltkrieg zu lauschen, war für die Klasse 9RB eine echte Herausforderung. Aber dank der sehr anschaulichen und altersgerechten Darstellungen von Frau Angersbach vom Historischen Museum Frankfurt konnten die Schüler und Schülerinnen eine Vorstellung von der Zeit bekommen, die sie im nächsten Schuljahr in Geschichte behandeln werden. Zusammen mit Frau Saf und Frau Schneider besichtigten sie verschiedenen Stationen in Frankfurt, die für markante Aspekte des Krieges standen. Durch die  vielen Bilddokumente, die Frau Angersbach mitgebracht hatte,  wurde die Zeitgeschichte für die Zuhörer lebendig.

Wie erfuhren die Menschen 1914 ohne Internet, Radio und Fernsehen, dass Krieg ist? Sie gingen in die Schillerstraße zu den zwei größten Frankfurter Zeitungsverlagen und holten sich die Informationen vor Ort. Anderes als man sich heute vorstellen kann, wurde der Kriegsbeginn bejubelt, denn man war sich sicher, dass man – u. a. durch die neue Kriegsflotte, die gut aufgestellt war – und es nicht lange dauern könne, bis man den Sieg davon tragen würde. Aber es kam anders:  Kurz nach Kriegsausbruch (August 1914) kamen dann massenhaft Verletzte in Zügen in Frankfurt an (Oktober 1914) und man merkte schnell, dass die vier Krankenhäuser nicht ausreichten und errichtete 11 weitere Lazarette, z. B. in der Nähe des Eschenheimer Tors. Besonders wichtig war die Propaganda; durch bebilderte Zeitungsartikel wurde der Bevölkerung suggeriert, dass die Staatsmacht alles im Griff hatte. Aber die Fotos waren meist gestellt und hatten wenig mit der Realität zu tun.

Die Wirtschaft bekam einen enormen Aufschwung, denn es mussten viele kriegswichtige Güter hergestellt werden, z. B in den Adler-Werken. Gearbeitet haben dort vor allem Frauen, da ja die Männer größtenteils den Dienst an der Waffe verrichten mussten. Vor der Börse erfuhren wir, dass aus früheren Geschäftspartnern Feinde wurden, mit denen man keinen Handel mehr betreiben konnte.

Als die Versorgungslage in den Städten immer schwieriger wurde, denn Nahrungsmittel bekamen zuerst die Soldaten an der Front, regte sich Unmut in der Bevölkerung. Im Hungerwinter 1918 starben insgesamt 800.000 Menschen den Hungertod und statt Kartoffeln aß man Steckrüben, die sonst als Viehfutter dienten. Von der „Fressgasse“  ging es dann zum Hotel Frankfurter Hof, wo eine Revolte das Ende des Krieges einleitete. Am 11.11.1918 wurde dort ein Waffenstillstand vereinbart und Deutschland gab im Friedensvertrag von Versailles zu, Schuld an dem Krieg zu haben, was hohe Reparationszahlungen an die Kriegsgegner bedeutete.

Nicht alle Einwohner Frankfurts waren am Anfang Kriegsbefürworter. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wandten  sich gegen die Mobilmachung und kritisierten den „Burgfrieden“ ihrer Partei, der SPD, die ursprünglich auch dagegen war.  Nach Kriegsende sympathisierten beide mit kommunistischen Ideen und wurde für die Staatsmacht zunehmend unbequem. Man ließ sie  1919 in Berlin ermorden. Ihre Beerdigung führte am Römer zu einer der ersten Massendemonstrationen der Bürger. Am Schauspiel Frankfurt erinnerte Frau Angersbach an die politisch prägnante Frauengestalt der Rosa Luxemburg, nach der eine große Straße in Frankfurt benannt wurde.

Am Mainufer wird auf die Nachwirkungen des Krieges eingegangen und gezeigt, wie die Künstler Max Beckmann und Otto Dix das Grauen  in ihren Bildern dargestellt haben. 17 Mio. Tote und 20 Mio. Verletzte hat der Erste Weltkrieg (1914-1918) gekostet, unzählige Männer kehrten stark traumatisiert nach Hause zurück. Und die Frauen, die während des Krieges die alleinige Verantwortung für die Familie hatten, wollten sich nicht wieder bedingungslos unterordnen. So wurden als Folgen des Ersten Weltkrieges  auch das Frauenwahlrecht in der Verfassung festgeschrieben  und die Weimarer Republik mit demokratischen Idealen eingeläutet.

Nach einer Mittagspause  ging es in das angenehm kühle Archäologische Museum, wo dann ein Zeitsprung von 1700 Jahren vorgenommen wurde, um  die  Ursprüngen des heutigen Frankfurts bzw. der römische Stadt Nida zu betrachten: der heutige Stadtteil  Römerstadt war Teil einer Befestigungsanlage zwischen dem römischen und germanischen Gebiet. Nachdem dies bei  der Bebauung  in den 60er Jahren noch ignoriert wurde, fand  man 1993 einen  10,6 m tiefen Brunnen in der Nähe des heutigen Nord-West-Zentrums. Er enthielt  neben Keramikscherben und Schutt drei Skelette, die Germanen waren, was Grabbeigaben belegen:  Eine 25-30 jährige Frau, ein gleichaltriger Mann und ein Kleinkind, das nur 2,5-3 Jahre alt wurde. Was steckt hinter diesem mysteriösen Mordfall aus dem 3. Jahrhundert? Was machten Germanen auf römischem Gebiet, das eigentlich schon aufgegeben wurde? Wie war die Verwandtschaftsbeziehung zwischen den Personen? Was war das Motiv dieser äußerst brutalen Tat? Der Frau wurde der Schädel zertrümmert und die Oberschenkel der Beine gebrochen. Wie sah diese Frau wohl aus?

Die Schüler konnten  Fakten auswerten und mutmaßen, was geschehen sein konnte. Interessant war, dass sie sowohl einen Einblick in archäologische Arbeitsweisen als auch in moderne kriminal-technische Methoden (DNA-Analyse und Gesichtsrekonstruktion)  erhalten konnte. Obwohl  die These, dass es sich wahrscheinlich um eine Eifersuchtstat gehandelt hatte, nicht alle Schüler überzeugte, spendeten sie der Analyse große Aufmerksamkeit.

Vielleicht ist so ein Museumsbesuch doch eine Alternative bei heißen Sommertagen…

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